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Schleswig-Holsteinischer Fischereitag in Rendsburg

Der Vorsitzende Lorenz Marckwardt bei seiner Rede

Zur gemeinsamen Diskussion um die Situation der Fischerei konnte Lorenz Marckwardt, Vorsitzender des Landesfischereiverbandes Schleswig-Holstein neben zahlreichen aktiven Fischern auch zahlreiche Gäste aus Politik, Verwaltung, Verbänden und Wissenschaft in Rendsburg zum diesjährigen schleswig-holsteinischen Fischereitag begrüßen.

Nach der dramatischen Absenkung der Quote des Brotfischers der Ostseefischer, dem Dorsch im Jahr 2017 um 56 % und die Beibehaltung dieser abgesenkten Quote für 2018  wurde die Dorschquote in 2019 wegen einer guten Entwicklung des Dorschbestandes geringfügig angehoben.

Jetzt drohen für 2020 wieder gravierende Einschnitte für die Fischer. Nachdem der sehr gute Nachwuchsjahrgang 2016 beim Dorsch in der westlichen Ostsee inzwischen in der Fischerei bewirtschaftet wird, hat die Wissenschaft in den Folgejahren eine nur unzureichende Nachwuchssituation bei ihren Untersuchungen festgestellt. Darauf basiert die Empfehlung des ICES die Dorschquote für den westlichen Dorschbestand im kommenden Jahr um 52 % abzusenken.

Noch dramatischer ist nach Aussage der Wissenschaftler die Situation beim Östlichen Dorschbestand. Die Fische sind in einer eher mäßigen Kondition und es gibt eine hohe natürliche Sterblichkeit. Die Ursachen sind noch unbekannt. Die Wissenschaftler vermuten schlechte Umweltbedingungen. Der ICES empfiehlt für 2020 einen Fangstopp. Dies hätte auch Auswirkungen auf die Fischerei auf andere Zielfischarten in der östlichen Ostsee, da hier, wenn auch nur in geringem Umfang, auch östlicher Dorsch als Beifang mitgefangen werden könnte. 

Auch beim Hering in der westlichen Ostsee, einer weiteren wichtigen Fischart für die Ostseefischer gibt es laut Wissenschaft keine positiven Entwicklungen. Nach der Absenkung um 39 % im Jahr 2018 und weiteren 48 % im laufenden Jahr droht im nächsten Jahr ein  Fangstopp. Die Wissenschaft vermutet für die unbefriedigende Nachwuchssituation umweltbedingte Ursachen. Die Fische laichen früher, die Eientwicklung verläuft schneller, aber die dann von den Larven dringend benötigte Naturnahrung ist noch nicht ausreichend vorhanden. Die am Anfang der Nahrungskette für den Heringsnachwuchs stehenden einzelligen Algenvermehren sich nicht temperatur- sondern lichtgesteuert.

Ein kleiner Lichtblick: die Plattfischbestände entwickeln sich weiterhin gut. Allerdings können die Erlöse aus dieser Fischerei die Quoten- und damit Einkommensverluste bei Dorsch und Hering nicht annähernd kompensieren.

Die zugrunde liegenden Zahlen für die ICES-Empfehlungen für die Fangquoten 2020 für die fischereilich bedeutenden Fischbestände der Ostsee wurden traditionell im Vortrag von Dr. Christopher Zimmermann vom Institut für Ostseefischerei in Rostock erläutert.

Wie in den beiden Vorjahren wird sich der Verband dafür einsetzen, dass die finanziellen Ausgleichsmaßnahmen für die Quotenreduktionen für die Fischereibetriebe fortgeführt werden.

Obwohl schon in den Vorjahren vorgetragen, waren die Auswirkungen der Quotenkürzungen auf die wirtschaftliche Situation der Erzeugerorganisationen nicht ausreichend im Fokus von Politik und Verwaltung. Deshalb verdeutlichte Herr Ulrich Elsner, Geschäftsführer der Küstenfischer Nord stellvertretend für die Geschäftsführer aller anderen Ostsee-Erzeugerorganisationen die Konsequenzen für eine Erzeugerorganisation.

 

Ulrich Elsner, Küstenfischer Nord

Die wirtschaftliche Basis der Erzeugerorganisationen ist abhängig von den Umsätzen der angeschlossenen Fischereibetriebe sowie von ihnen in Anspruch genommenen Dienstleitungen. Stehen den Fischereibetrieben keine ausreichenden Quotenkapazitäten zur Verfügung sinkt auch die Nachfrage nach den angebotenen Dienstleistungen. Die Infrastruktur muss dennoch aufrechterhalten werden.

Nach seinen Ausführungen hat die Erzeugerorganisation im letzten Jahr trotz gesunkener Quoten einen vernünftigen Umsatz erwirtschaftet, da sich die Erzeugerpreise positiv entwickelt hatten. Dennoch hat sich der Umsatz der Erzeugerorganisation in den letzten 13 Jahren halbiert. Dem wurde mit struktureller Umorganisation sowie Diversifizierung der Erzeugerorganisation begegnet.

Treten im nächsten Jahr die Quotenkürzungen aber in vollem Umfang in Kraft, bedeutet dies eine weitere Reduzierung des Umsatzes um 50 % binnen eines Jahres!

Dies ist so kurzfristig überhaupt nicht zu kompensieren. Die Erzeugerorganisationen benötigen Planungssicherheit. Auch langfristige Perspektiven für das Personal sind so schwer zu realisieren.

Über kurz oder lang droht den Erzeugerorganisationen damit das Aus.

Er fordert von den anwesenden Politikern und Wissenschaftlern, die Entwicklung von Mehrjahresplänen voranzutreiben, damit es wieder mehr Planungssicherheit gibt.

Ernste Gesichter bei den anwesenden Fischern und Politikern (Rotermund, Piraten; Metzner, MdL, SPD; Jensen, MdL, CDU; Bornhöft, MdL, FDP; Herbst, MdB, CDU)

Die anwesenden fischereipolitischen Sprecher der CDU und SPD zeigten große Betroffenheit. Sie fordern den Einbau von Stabilitätselemente, sonst geht die Küstenfischerei verloren.

Claus Jensen, fischereipolitischer Sprecher der CDU führte dazu aus: „mit der Kampagne „Wir fischen“ sollte die Fischerei in Kopf und Herz der Menschen verankert werden, aber derzeit gibt es andere Probleme, es geht um Einsatz für den Erhalt der Fischerei“.

Zum Schutz der Aalbestände wurde als Ergänzung zu bestandsstützenden Besatzmaßnahmen auch im Winter 2019/2020 wie schon im Vorjahr für die Küstenfischerei ein dreimonatiges Fangverbot festgelegt. Die Fischerei fordert aber weiterhin die Berücksichtigung und Reglementierung anderer schädigender Einflüsse. Hier wurden bislang noch keinerlei einschränkende Maßnahmen festgelegt.

In der Krabbenfischerei sind durch die guten Fänge im Vorjahr die Lager der abnehmenden Hand noch gut gefüllt. Die Erzeugerorganisationen haben sich deshalb mit den Krabbenfischern auf  eine freiwillige Begrenzung der Fänge verständigt.

Dr. Christopher Zimmer bei seinen Ausführungen

Fazit
De Fischerei ist mit schwerwiegenden Herausforderungen konfrontiert. Der Verband wird sich auch in Zukunft konstruktiv in den Dialog mit allen Beteiligten einbringen, um die Interessen seiner Mitglieder angemessen zu vertreten und bei der Erarbeitung von Lösungsansätzen konstruktiv mitwirken.

Im Land zwischen den Meeren gilt es eine lebendige Fischerei in den Häfen zu erhalten und auch für die Zukunft ein hochwertiges und regionales Lebensmittel mit einem hohen Identitätsfaktor für Schleswig-Holstein zu vermarkten.

 

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